PRESSEMITTEILUNG: Philippinischem Menschenrechtsaktivisten Cocoy Tulawie droht wegen konstruierter Anklage erneut das Gefängnis

Berlin. Am 10. Mai 2017 wurde ein Haftbefehl gegen den philippinischen Friedens- und Menschenrechtsaktivisten Temogen “Cocoy” Tulawie ausgestellt.

Tulawie wird beschuldigt, Drahtzieher hinter der Entführung des deutschen Journalisten Andreas Lorenz durch die terroristische Gruppe Abu Sayyaf zu sein. Im Jahr 2000 wurde Lorenz im Rahmen seiner Berichterstattung für das Nachrichtenmagazin Spiegel über die Entführung der deutschen Wallert-Familie auf der malaysischen Urlaubsinsel Sipadan selbst durch die Abu Sayyaf entführt. Tulawie spielte in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle bei den Freilassungsverhandlungen sowie bei der Versorgung der Geiseln mit Verpflegung und Medikamenten.

Die Anklage wurde von der philippinischen Staatsanwältin Annie Marie Pierreangeli P. Ledesma eingereicht, nachdem Tulawie eine formale Beschwerde gegen sie wegen schwerwiegendem Amtsmissbrauch bei der philippinischen Regierung vorgebracht hatte.

Der ehemalige Auslandschef des Spiegels, Olaf Ihlau, der die Entführung Lorenz‘ journalistisch begleitet hatte, bezeugt, dass „die Anschuldigung, dass Cocoy Lorenz entführt habe, absurd ist“. Und der amerikanische Fotojournalist David G. McIntyre schreibt in seiner Zeugenaussage, dass „Cocoy da war, um uns [die Journalisten, Anm. IPON] zu helfen, die Informationen zu verifizieren, den Kontakt zu den Geiseln herzustellen und uns dabei zu unterstützen, Güter und Nachrichten zu den Geiseln zu bringen“.

Noch im Oktober letzten Jahres begleitete Tulawie die Reise des Bundestagsabgeordneten und Mitglied des Menschenrechtsausschusses Martin Patzelt (CDU) in die Philippinen. In diesem Rahmen traf Patzelt u.a. auch Senatorin und Regierungskritikerin Leila de Lima, die seit Februar aufgrund von politisch motivierten Anklagen in Untersuchungshaft sitzt.

„Es ist zu einfach, die philippinische Justiz zu missbrauchen, um politische Opposition mundtot zu machen. Menschen wie Tulawie sollten für ihre Arbeit ausgezeichnet werden; stattdessen werden sie hinter Gittern gebracht!“, sagt Dominik Hammann, Landeskoordinator der deutschen Menschenrechtsorganisation International Peace Observers Network (IPON).

IPON ist äußerst besorgt über die erneute, konstruierte Anklage gegen Tulawie und appelliert an die philippinische Regierung, diese mit sofortiger Wirkung fallen zu lassen!

Temogen „Cocoy“ Tulawie ist ein philippinischer Menschenrechtsaktivist aus der südlichen Provinz Sulu, Leiter des regionalen Büros des Consorti17264105_10203079430822706_3945175848846408376_num of Bangsamoro Civil Society (CBCS) und Gründer der lokalen Menschenrechtsorganisation Bawgbug. Wegen seines Einsatzes für Menschenrechte wurde Tulawie schon zuvor des Terrorismus bezichtigt und verbrachte zwischen 2012 und 2015 mehr als drei Jahre unschuldig im Gefängnis.
Spätere Eingeständnisse von Abu Sayyaf-Kämpfern, von staatlichen Akteuren zur Falschaussage gegen Tulawie gezwungen worden zu sein, offenbaren das Ziel der Anklagen, Tulawies politisches Engagement zu einem Ende zu bringen.

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Duterte auf die Finger hauen: Bundestagsabgeordneter besucht die Philippinen

 

Extrajudicial Killings. War against Drugs. Über 3000 Tote in den ersten drei Monaten Amtszeit, mehr als in der gesamten Zeit des diktatorischen martial laws der 80er Jahre. In der Gesellschaft wird das ganze Spektakel als voller Erfolg gefeiert.  „Endlich widmet sich jemand dem Kampf gegen Drogen und Korruption“. Trotzdem wollen Duterte Unterstützer  nicht, dass ihre Kinder nach Einbruch der Dunkelheit ausgehen – viel zu gefährlich! „Wenn du in einen Streit mit der Polizei kommst, können sie dich einfach erschießen“. Diesen Satz bekommen Freunde täglich zu hören, wenn sie sich abends mit uns treffen möchten. Mit „uns“ meine ich meine Team-

KollegInnen und mich. Für die deutsche Menschenrechtsbeobachter-Gruppe IPON arbeiten und leben wir derzeit auf den Philippinen, und erleben diesen lebendigen politischen Umschwung hautnah mit.

Seit den Präsidentschaftswahlen im Mai 2016 hat sich so einiges auf den Philippinen verändert. Rodrigo Duterte wurde mit überwältigender Mehrheit zum Staatsoberhaupt der Inselgruppe gewählt. Im Zuge dessen hat sich insbesonders die menschenrechtliche Situation massiv verschlechtert. Menschenrechte stellen ein Hindernis für den Fortschritt dar, daher werden sie ignoriert. Dies ist die offizielle Rechtfertigung für den aktuellen politischen Kurs.

In dieser angespannten Situation ist die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen wichtiger denn Je. Umso erfreulicher ist daher, dass sich deutsche Politiker für die Situation von philippinischen Menschenrechtsaktivisten einsetzen: Martin Patzelt, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Unterausschuss für Menschenrechte mit besonderem Fokus auf Südostasien, hat im Oktober 2016 an der Delegationsreise von der deutschen Menschenrechtsbeobachter-Gruppe IPON in Manila teilgenommen, um sich ein eigenes Bild von der Menschenrechtslage in den Philippinen machen zu können/bilden zu können. Die Delegationsreise steht ganz im Motto der Menschenrechte und vor allem der Kriminalisierung von Menschenrechts Verteidigerinnen, denn: Unliebsame Verteidiger werden schon seit langen als linke Rebellen deklariert und durch konstruierte Klagen inhaftiert und mundtot gemacht. Im heutigen Kontext ist diese Art von Kriminalisierung einfacher denn je: lediglich die Unterstellung eine sogenannte „drug related person“ zu sein genügt, um ohne Gerichtsverfahren oder offiziellen Befehl erschossen zu werden. Nur ein Zweizeiler in der Tageszeitung informiert über die Vorgänge und illustriert den Erfolg des politischen Kurses.

Während seiner Besuchsreise konnte Patzelt diversen Gesprächen mit staatlichen Stellen wie der Menschenrechtskommission beiwohnen, und die politische Lage mit staatlichen sowie nichtstaatlichen Akteuren debattieren. Das Besondere: Der Bundestagsabgeordnete wurde von  insgesamt drei Menschenrechts Aktivisten begleitet, die alle drei bereits seit Jahren kriminalisiert werden. Dies hinterließ Eindruck und Patzelt konnte durch das Nachhaken  bei offiziellen Stellen auch ein kleinen Erfolg für eine Menschenrechts Verteidigerin erzielen: Ihr Fall wird bei dem nächsten Menschenrechts Training der Polizei in ihrem ehemaligen Wohnort als Negativbeispiel verwendet werden. Auch andere Netzwerke sind auf die Präsenz Patzelts aufmerksam geworden: So berichtete eine philippinische Zeitung nach einem offiziellen Treffen im philippinischen Parlament über diese Begegnung. Der Zwiespalt löst sich jedoch nicht auf: Je mehr Aufmerksamkeit auf die Menschenrechts Situation

gelenkt wird, desto besser. Aber da Menschenrechte laut Duterte gegen den Fortschritt sprechen, rechtfertigt dies folglich die Aufkündigung diverser Partnerschaften und damit Handlungsmöglichkeiten menschenrechtsfördernder Organisationen wie zum Beispiel den Vereinten Nationen.

Dutertes Amtszeit hat gerade erst begonnen. Nach einigen Monaten hat sich jedoch die Lage drastisch zugespitzt. Trotz des positiven Zeichens Patzelts bleibt abzuwarten, ob sich die Bundesregierung zu den Vorgängen auf den Philippinen äußern wird. Wie sich die Vorkommnisse weiterentwickeln bleibt zu Beobachten. Fakt ist: Wegschauen ist keine Lösung!

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“We are not rebels. He had given us hope that we can dream on and get the land we seek peacefully”

Our friend and partner Evangeline Silva on the killing of Arnel Figueroa, a local farmer leader, who was shot by a member of the “Blue Guards” of the Bureau of Animal Industry (BAI) on Tuesday at Yulo King Ranch, Coron.

IPON appeals to the Philippine government to respect, protect and fulfill human rights of land rights defenders!

IPON Coordinator and Martin Patzelt in the House of Representatives while human rights defenders could speak up for their cases.

Two days ago, IPON project coordinator Dominik Hammann and Mr. Patzelt from the German Parliament had the chance to visit the House of Representatives and the Senate in Manila.

At the Congress they had the chance to meet congresswoman Cheryl Deloso-Montalla and other representatives of the of the Human Rights Committee in order to discuss the effects of the possible ratification of the House Bill Number 1 („Restoration of the Death Penalty) and House Bill Number 2 („Lowering of the Minimum Age of Criminal Responsibility“) in regards of human rights.

Later on Mr. Patzelt and Dominik Hamman also had the chance to meet the senators Leila de Lima and Risa Hontiveros to talk about the importance of independant human rights advocacy and to discuss the latest alarming developments in regards to President Duterte’s War on Drugs and Extrajudicial killings.

On the same day our partner Evangeline Silva had to attend a court hearing in Calauan where she could speak up for her case and her work as human rights defender. The hearing was also attended by Aileen Chua, member of the Commission of Human Rights (CHR) and accompanied by human rights defender Zara Alvarez and IPON members.

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On the following day,  Mr. Patzelt was able to attend a meeting in the Foreign Ministry in Manila in order to discuss the current human rights situation in the Philippines.

Our partners Cocoy Tulawie and Maryann had the chance to visit the Supreme Court in order to do some follow ups.

Last but not least the rest of the participants of our Delegation Trip attended a protest walk in Manila which was organized by farmers and Indigineous People (IP) from Mindananao.

The aim of the protest walk was to claim the right of the farmers and the IPs in terms of land redistribution, the demilitarisation of regions, the restitution of ancestral land and the non-interference of foreign investors in the mining sector.

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The second half of our delegation trip begins:

Another productive day for the IPON-Delegation Trip and its partners. Today we had the chance to meet with the Assistant Secretary Elmer Distor of the Department of Agrarian Reform (DAR) in order to discuss current human rights violations in Negros.

Our partners Zara Alvarez, Clarizza Singson Dagatan from KARAPATAN and Evangeline Silva, as well as the German politican Martin Patzelt and various members of IPON had the chance to engage into an open dialogue with the objective to work cooperatively on the implementation of the Agrarian Reform.

Similar productive debates were held on a later occasion at the Department of Environment and Natural Resources (DENR) with Gina Lopez who actively discussed with our partners future strategies to strengthen human rights cases.

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Another Big day during the Delegation Trip: IPON at the round table

Yesterday we had the chance to participate at a round table which was hosted by the Konrad Adenauer Foundation in Manila.
Human rights defenders (HRD) from various sectors had the chance to present their cases and to discuss the current human rights situation in the Philippines.
A focal point in the discussion at the round table concerned the question which challenges human rights defenders are facing under the new administration of president Duterte.

After these constructive debates and with the newly gained impressions Mr. Patzelt and Mr. Hasper from the German Embassy attended a meeting with the Secretary of the Interior and Local Government Ismael Sueno at the Ministry of the Interior.

The day ended with a visit of our partners Zara Alvarez, Cucoy Tulawie and Evangeline Silva at the Commission on Human Rights of the Philippines
The talks with the chairman of the Commission of Human Rights (CHR) Chito Gascon concentrated on the question how the CHR and also German politics can effectively approach the criminalization of HRD and contribute to a positive change.

KARAPATAN Alliance for the Advancement of People’s Rights Medicalactiongroup Mag Commission on Human Rights Philippines Bahay Tuluyan Terre des hommes Germany in Southeast Asia

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Let the trip Begin: Finally the yearly delegation trip has started

As every year, IPON has organized an annual Delegation Trip which started two days ago. In the late hours of Friday evening, Martin Patzelt, member of the German parliament and special rapporteur of Southeast Asia for the parliamentary committee for human rights, arrived in Metro Manila. From October 8th until October 16th, Mr. Patzelt takes part in our annual delegation trip to meet different Filipino key players regarding the matters of human rights. During this week, Mr. Patzelt will be accompanied by three of our partners. This special occasion gives the Human Rights defenders the opportunity to share their personal experiences with Mr. Patzelt as well as to speak up for their cases in official meetings with central governmental stakeholders. But there is still a lot to do, as Dominik, our country coordinator, explains in the video below.  https://www.facebook.com/ipon.philippines/videos/1458362640847648/

While the preparations went on in Manila, two IPON observers had the chance to introduce Mr. Patzelt to Evangeline Silva who is the elected national president of the farmworker organization “Pesante” and a longtime human rights activist.

The participant of the delegation trip had the chance to visit Evangeline Silva in her home province Laguna in order to dicuss her work as political activist and the nature of the fabricated trumped up charges she is facing because of her work.

The visit included meetings with official state actors and counterplayers of her legal processes. Evangeline Silva had the chance to speak up for her work as a human right activist and for her own case.

For more information on Evangeline Silva’s case click here:

https://iponphilippinesblog.wordpress.com/…/the-case-of-ev…/


We are looking forward to an exciting time as well as to more enriching encounters.

 

 

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10 Years IPON: Click through the Gallery

PADATA Jahresrückblick 2015/2016

Nur noch wenige Tage, dann geht mein Jahr hier in den Philippinen zu Ende. Ein Jahr bedeutet unter anderem ein Jahr Zusammenarbeit mit PADATA. Ein Jahr sind auch 5 Besuche im Sitio in Dagumbaan bei PADATA. Ein Jahr ist aber  auch ein Mix zwischen Freude, Spaß, Verzweiflung und Trauer. Und so wie alles einen Anfang hat, so hat auch dieses Jahr ein Ende und dies bedeutet für mich ein Jahr Arbeit mit PADATA Revue passieren zu lassen.

Aber der Reihenfolge nach:

Nachdem IPON 2015 beschlossen hat, weiter mit PADATA zu arbeiten, um den Verlauf des CADT (Certificat of Ancestral Domain Title) Antrags abzuwarten, hat sich vielleicht nicht viel verändert, aber es hat sich etwas verändert. Oft sind es nur kleine Nuancen, die sich verändern, kleine Teile die dann irgendwann die große Summe machen werden. Ich hoffe, dass ich mit etwas Abstand und Reflexion in Zukunft weitere Veränderungen erkennen kann, die mir vielleicht im Hier und Jetzt in den Philippinen noch nicht gegenwärtig sind.

Also was genau hat sich denn jetzt getan?

VERZWEIFLUNG.

Weiterhin sind noch 39 PADATA – Mitglieder wegen „Illigal-looging“ angezeigt. Diese Anzeige besteht seit 10.09.2014. Dies sind schon fast zwei Jahre.

Mitdenkende Leser oder Leserinnen fragen sich jetzt sicherlich, wie kann es sein, dass dies so lange dauert. Eine ehrliche und passende Antwort dazu habe ich nicht, möchte ich auch nicht, denn diese Antwort wäre nicht wertfrei oder neutral und somit unprofessionell und hinfällig.

Widmen wir uns lieber den Fakten, Zahlen und dem chronologischen Ablauf.

8.2015: Das Hearing wegen „illegal logging“ wird auf den 23.09.2015 8.30 Uhr verschoben.

09.2015: Das Hearing wegen „illegal logging“ wird auf den 21.10.2015 verschoben, dabei stellt sich heraus, dass der zuständige Richter in Rente geht und all seine Fälle abgibt. Bei einem Besuch in der Hall of Justice in Malaybalay erfährt Ipon, dass es bis zu 6 Monate dauern kann bis ein neuer Judge offiziell bestätigt wird.

10.2015: Es ist immer noch kein offizieller Judge bestätigt worden und ohne Judge gibt es kein hearing. Es wird bis auf weiteres verschoben.

04.2016: PADATA berichtet IPON, dass es keinen neuen Termin und keinen neuen Judge zum „illigeal logging“ gibt.

06.2016: Das neue hearing zum „illigal logging“ wird auf den 20.07.2016 um 2:00 pm gelegt ist jedoch nicht offiziell „confirmed“. Dies wird wohl erst Anfang Juli der Fall sein.

Stand heute, haben wir dazu noch keine weiteren Infos. Das ständige Verschieben des hearings ist die eine Sache, die andere ist, dass alle 39 PADATA – Mitglieder zu Anhörung erscheinen müssen. Das Problem hierbei ist, dass der Weg vom Sitio zur Hall of Justice in Malaybalay City sehr weit und finanziell schwer zu stemmen ist. Des Weiteren berichteten uns die PADATA Member, dass die meisten gar nicht mehr im Sitio wohnen würden und in die Städte gezogen wären.

Es bleibt abzuwarten, wie sich dies weiter entwickelt. IPON wird natürlich weiter dran bleiben.

HOFFNUNG.

Die Befürchtung, dass sich im Laufe des CADT Antrags erneute harrassments und Bedrohungen im Sitio wieder ereignen könnten, hat sich zum Glück bisher nicht bestätigt. PADATA sagt, dass sie sich seit einem Jahr sicher fühlen.

Im Feburar 2016 waren zwei Treffen zwischen Governor Zuburi (Maramag) und einigen IPs, darunter auch PADATA. Dabei kam heraus, dass sich Zubiri weiter für die IPs einsetzen und sie finanziell unterstützen möchte. Er möchte auch in Kontakt mit der NCIP treten. Es werden in Zukunft wohl weitere Treffen stattfinden. PADATA findet den Kontakt zu Gov. Zubiri gut und freut sich, dass er ihnen helfen möchte.

Es wäre ein Meilenstein, wenn PADATA den CADT Antrag bekommen würde. Die Hoffnung ist der größte Antrieb des Menschen und ich bin guter Dinge, dass diese Geschichte ein positives Ende für PADATA haben wird.

FREUDE.

IPON sieht als positive Entwicklung, dass das DENR weiterhin mit PADATA zusammenarbeitet. So hat das DENR PADATA nach der verheerenden Sommerhitze (dabei ist mehr als die Hälfte der Ernte kaputt gegangen) Saatgut zukommen lassen. Nun kann PADATA seine Felder weiter bepflanzen.

SPAß / TRAUER.

Dass die oben genannten Substantive eng beieinander liegen, ist sehr wahrscheinlich vielen Lesern und Leserinnen hier bekannt. Auch ich kam in diesem Jahr wieder in dem Genuss zu merken was es heißt, beides zu erfahren. Bei PADATA ist feiern, zelebrieren  kurz „Party Party lang“ hoch im Kurs. Und so durften wir als IPON – Team an folgenden tollen Ereignissen teilnehmen: Vilmas Geburtstag, PADATA´s Weihnachtsfeier und der Nationaltag von Maramag (Araw day of Maramag) an dem 20 verschiedene tribes teilnahmen.

Irgendwann hieß es dann Abschied nehmen. Natürlich wurde auch dies zelebriert. Mein letzter Besuch bei PADATA war im Juni 2016 und die letzte Feier war sehr emotional. Kurz gesagt: es flossen einige Tränen.

ZUKUNFT.

Wie geht es nach IPON´s Mindanao Exit mit PADATA und IPON weiter? IPON möchte weiterhin in Mindnao tätig sein, denn viele sind sich darüber einig, dass Menschenrechtsarbeit gerade in Krisenregionen stattfinden sollte.

Gemeinsam mit PADATA wurde die Zukunfstrategie entwickelt, dass IPON alle zwei Monate das Sitio in Damgumbaan besucht. In der Regel sollte ein Besuch um die 2-3 Tage sein.

Weiterhin ist PADATA wichtig, dass IPON Präsenz im Sitio und in näherer Umgebung zeigt. Durch Besuche wie beim Mayor in Maramag, beim Brgy. Captain in Panalsalan oder z.B. durch den Besuch des araw day of Maramag kommt IPON diesem Wunsch mehr als nach.

Wie bereits oben beschrieben, sollte IPON kurz bis mittelfristig für das hearing zum „illegal logging“ und dem CADT – Antrag dranbleiben.

Langfristig sollte ein Auslaufmandat thematisiert werden.

Mindanao – Exit

Anfang März 2016 schlossen wir das Büro in Malaybalay City und führten es mit dem bereits bestehenden Office in Bacolod auf der Insel Negros zusammen. Die drei Teammitglieder Alex, Anna und Susi beendeten ihren sechsmonatigen Philippinenaufenthalt mit dem Rückflug nach Deutschland am 09.03.2016, während Chris für weitere sechs Monate von Negros aus arbeitete.

IPON ist seit einer geraumen Zeit im Weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) akkreditiert und kann es damit einigen Freiwilligen ermöglichen im Rahmen eines Weltwärts-Stipendium auszureisen. Im Mai 2015 veröffentlichte das deutsche Auswärtige Amt jedoch eine akute Reisewarnung für fast ganz Mindanao. Dies bedeutete auch eine Sperre für Stipendiaten des Weltwärts-Programms für diese Region, da das BMZ nicht für die Sicherheit seiner Stipendiaten garantieren konnte. Stipendiaten des Weltwärts-Programms dürfen seit dem nur noch nach Davao reisen.

Die Entscheidung des BMZ wurde zudem von der Organisation Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit getragen, welche in ihrer aktuellen Risk-Map für viele Regionen in Mindanao ihre Risikoeinschätzung erhöht haben. Auf einer Karte werden in dieser Map Regionen in einem Farbcode markiert. Sehr gefährliche Region werden in rot, gefährliche Regionen in orange, Regionen mit moderater Gefahr in gelbe und Regionen mit geringer Gefährdung in grüner Farbe gehalten.

In dieser aktuellen Ausgabe der Risk-Map ist auch die Provinz Bukidnon von Low (Sicher, grüne Farbe) auf Moderate (gelbe Farbe) angehoben worden. Das Mindanao Büro von IPON befand sich in Bukidnon, genauer in Malaybalay City. Nach internen IPON Sicherheitsregeln sind ausschließlich Bereiche die grün gefärbt sind als sicherer Wohn – und Arbeitsort geeignet.

Diese zwei Veränderungen, die Weltwärtssperre und die farbliche Veränderung der Provinz Bukidnon von grün in Gelb, haben zu IPON-internen Veränderungen geführt, sodass im November 2015 gemeinsam entschieden wurde das IPON-Büro in Malaybalay City zu schließen.

Das Auswärtige Amt beschreibt die Gefahren wie folgt: Es agieren islamistische Extremisten, wie z.B.: Abu Sayaf und kommunistische Rebellen wie z.B.: NPA in Mindanao, diese sind laut Auswärtigem Amt unteranderem für Anschläge und Entführungen in Mindanao  verantwortlich.

https://www.auswaertiges-amt.de/sid_144031AE899119E368CAC3F24E673304/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/PhilippinenSicherheit.html?nn=362664#doc362604bodyText2

Zum Verständnis werde ich hier kurz die wichtigsten agierenden Gruppen in Mindanao beschrieben:

NPA:

Die New People’s Army  ist eine revolutionäre kommunistische Gruppierung in den Philippinen die einen gewaltsamen Regimewechsel anstrebt. Sie ist seit Dezember 1969 aktiv.

Die NPA ist der militärische Flügel der Kommunistischen Partei der Philippinen oder PKP (Partido Komunista ng Pilipinas). Die Organisation hat schätzungsweise 10.000 Mitglieder, operiert hauptsächlich in ländlichen Gebieten, wo sie Angriffe auf das Militär und Polizei und Großkonzerne verübt.

MNLF:

Die Moro National Liberation Front ist seit 1972 in den Philippinen aktiv und beschreibt sich selbst als sezessionistische politische Organisation. Sie forderten eine politisch unabhängige muslimische Region in Mindanao. In der Geschichte Mindanaos kam es zu zwei Friedensabkommen zwischen der MNLF und der Philippinischen Regierung (1976 und 1996). Daraus resultierte 1989 die Gründung der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao), dies beinhaltet 13 Provinzen, die als autonome Region für Muslime im Süden Mindanaos unter der Souveränität der philippinischen Regierung agiert. Dies führte zwischen den Anhängern der MNLF jedoch zu Ungleichheiten und so spaltete sich MILF ab, die nicht nur einen unabhängigen freien Moro-Staat forderte, sondern auch eine stärkere Orientierung am Islam.

MILF:

Die Moro Islamic Liberation Front war bis 2010 eine militante Rebellengruppe, welche sich für die Rechte der Muslime auf Mindanao einsetzte. Seitdem kam es zu einem Kurswechsel der MILF, der zum Verzicht auf volle Unabhängigkeit eines Moros-Staates durch Gewalt, aber dafür Autonomie in Teilregionen in Minadanao durch Verhandlungen bemerkbar wurde. Damit verdrängte sie die MNLF als Verhandlungspartner in der Philippinischen Regierung. So kam es 2014 zu einem Friedensabkommen und so soll bis 2016 die autonome Region Bangsamoro auf Mindanao enstehen.

Ein hilfreicher Artikel zum Thema : http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Philippinen-Muslimische-Rebellen-fordern-Autonomie/14027

Abu Sayyaf:

Die Abu Sayyaf ist eine terroristische, islamistisch fundamentalistische Vereinigung, die hauptsächlich in Sulu aktiv und dafür bekannt ist, multiple Vernetzungen mit lokaler Politik und dem Militär zu haben. Sie spaltete sich 1993 ideologisch von der aus ihrer Perspektive zu liberalen MILF (Moro Islamic Liberation Front) ab, und wird als eine radikale islamistische Bewegung gesehen, die einen autonomen islamischen Staat fordert und eine Abspaltung der Moro National Liberation Front (MNLF) darstellt. Ihre Tätigkeiten konzentrieren sich seit Anfang der 90er-Jahre auf Entführungen, Lösegelderpressungen und Terroranschläge.

AFP:

Die Armed Forces of the Philippines  setzt sich aus der Philippinischen Armee, der Philippinischen Marine, der Philippinischen Luftwaffe und der Philippinischen Marine Korps zusammen. Stand 2014 hat die AFP schätzungsweise 90.000 Mitglieder, von denen 30.000 in der Armee und der Rest auf die Navy, die Marine Korps und die Air Force verteilt sind.

Die AFP agiert im Dienst der nationalen Sicherheit (National Defense) der Philippinen.

PNP:

Die Philippine National Police ist auf nationaler als auch auf lokaler Ebene die Polizei der Philippinen. Sie sorgt dafür, dass alle verabschiedeten Gesetze landesweit ausgeführt und durchgesetzt werden.

Um sich einmal die Karte Mindanao zu verbildlichen:

Mindanao ist die Zweitgrößte Insel in den Philippinen und mit einer Fläche von ca. 37.657 mi² leben dort ca. 21,58 Millionen Menschen.  Somit würde Mindanao ca. 3.662-mal in Deutschland hinein passen. Also wäre Mindanao damit ein ziemlich großes Bundesland.

Und sicherlich gibt es Gebiete in Mindanao, die sowohl für Ausländer_innen als auch für Philippin@s weniger sicher sind. Das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung im westlichen Teil Mindanaos aus. Dazu gehören unteranderem die Sulu – Gebiete, Zamboanga und Cotabato.

Darüber spricht das Auswärtige Amt Gefahren für die Urlaubs Inseln Siargao (eine Insel im Norden Mindanaos), Süd Palwan und Boracay aus (die letzten beiden befinden sich nicht in Mindanao).

IPON ist in diesen Gebieten bisher nicht tätig geworden und aktuell kreuzt sich kein Fahrweg durch eines dieser Gebiete zu unseren Partnern.

Aktuell arbeitet IPON in folgenden Regionen: Cagayan de Oro (Zentral, – nördlich), Bukidnon (zentral,- mittig) und Davao (zentral,- südlich).

Wie bereits geschrieben, ist Mindanao eine sehr große Insel, jedoch sollte man sich die Heterogenität dieser Insel immer wieder vor Augen führen. Es hilft, die bestehenden Gefahren in den einzelnen Regionen ernst zu nehmen, immer aktuell zu bleiben und dabei aber Mindanao als Ganzes nicht zu diffamieren.

Sicherheit: Ein sehr sensibles und individuelles Thema. Dies habe ich immer wieder in meinem Jahr in den Philippinen gemerkt. Wir haben unzählige Diskussionen geführt, sowohl in unserem Team als auch mit unseren philippinischen Freunden und Arbeitspartnern. Wann ist etwas wirklich sicher? Wer kann garantieren, dass es sicher ist? Was bedeutet für jeden einzelnen Menschen Sicherheit?

Wie Sie merken, liebe Leser und Leserinnen, befindet sich das Thema Sicherheit immer wieder in einem Spannungsverhältnis und muss von daher von verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und erläutert werden. Denn wie bei vielen anderen Themen hilft hier kein eindimensionales Denken.

IPON ist sich dessen bewusst und deswegen finden immer wieder aktuelle Diskussionen statt, es wird versucht eine interne aktuelle Sicherheitsanalyse Up – to Date zu halten. Dazu werden Partner und Partnerinnen immer wieder für Follow Ups zum Thema Sicherheit angeschrieben.

Wie geht es nun mit der Arbeit von IPON in Mindanao weiter?

Fakt ist, dass alle Weltwärtsler_innen von IPON nur nach Davao reisen dürfen und nicht mehr nach Bukidnon, wo wir den Fall PADATA haben. Das aktuelle Team in Negros besteht aus 2 Weltwärtsler_innen: Sebastian und Jessica und zwei nicht Weltwärtsler_innen: Chris und Lisa.

IPON hat seine Fälle in Mindanao nicht aufgegeben. Gemeinsam mit unseren Partnern wurde eine Zukunftsstrategie entwickelt, die so aussieht, dass die beiden nicht Weltwärtsler_innen alle 2 Monate nach Mindanao reisen, um sich mit unseren Partner zu treffen. Weiterer Bestandteil der Arbeit ist es, Netzwerkarbeit zu leisten und sich der Sicherheitsfrage in Mindanao zu stellen. Denn viele bei IPON sind sich darüber einig, dass gerade Menschenrechtsarbeit in Krisengebieten wie Mindanao bestehen bleiben sollte.

Ab September 2016 wird IPON mit sieben IPON-Observer und –Observerinnen  in Bacolod direkt vertreten sein. Da das damalige Büro/Wohnung in Bacolod nicht für so viele ausgelegt waren, mussten wir auch innerhalb Bacolods umziehen. Ursprünglich wollten wir ein Haus finden, in dem alle sieben unterkommen konnten, da wir bis Juli aber nichts in unserer Preisklasse finden konnten, sind wir im August in zwei neue Häuser umgezogen, die nah beieinander liegen.

Es wird sich jetzt zeigen was die Zukunft bringen wird. Ob IPON noch einmal mit einem Office nach Mindanao zurück kann, ob sich die Sicherheitslage verändert, oder ob IPON bei der Strategie bleibt, temporär Mindanao Fahrten zu machen.

Wer sich weiter zu dem spannenden Thema rund um Mindanao einlesen möchte hier ein paar Interessante Links: