Mindanao

PADATA Jahresrückblick 2015/2016

Nur noch wenige Tage, dann geht mein Jahr hier in den Philippinen zu Ende. Ein Jahr bedeutet unter anderem ein Jahr Zusammenarbeit mit PADATA. Ein Jahr sind auch 5 Besuche im Sitio in Dagumbaan bei PADATA. Ein Jahr ist aber  auch ein Mix zwischen Freude, Spaß, Verzweiflung und Trauer. Und so wie alles einen Anfang hat, so hat auch dieses Jahr ein Ende und dies bedeutet für mich ein Jahr Arbeit mit PADATA Revue passieren zu lassen.

Aber der Reihenfolge nach:

Nachdem IPON 2015 beschlossen hat, weiter mit PADATA zu arbeiten, um den Verlauf des CADT (Certificat of Ancestral Domain Title) Antrags abzuwarten, hat sich vielleicht nicht viel verändert, aber es hat sich etwas verändert. Oft sind es nur kleine Nuancen, die sich verändern, kleine Teile die dann irgendwann die große Summe machen werden. Ich hoffe, dass ich mit etwas Abstand und Reflexion in Zukunft weitere Veränderungen erkennen kann, die mir vielleicht im Hier und Jetzt in den Philippinen noch nicht gegenwärtig sind.

Also was genau hat sich denn jetzt getan?

VERZWEIFLUNG.

Weiterhin sind noch 39 PADATA – Mitglieder wegen „Illigal-looging“ angezeigt. Diese Anzeige besteht seit 10.09.2014. Dies sind schon fast zwei Jahre.

Mitdenkende Leser oder Leserinnen fragen sich jetzt sicherlich, wie kann es sein, dass dies so lange dauert. Eine ehrliche und passende Antwort dazu habe ich nicht, möchte ich auch nicht, denn diese Antwort wäre nicht wertfrei oder neutral und somit unprofessionell und hinfällig.

Widmen wir uns lieber den Fakten, Zahlen und dem chronologischen Ablauf.

8.2015: Das Hearing wegen „illegal logging“ wird auf den 23.09.2015 8.30 Uhr verschoben.

09.2015: Das Hearing wegen „illegal logging“ wird auf den 21.10.2015 verschoben, dabei stellt sich heraus, dass der zuständige Richter in Rente geht und all seine Fälle abgibt. Bei einem Besuch in der Hall of Justice in Malaybalay erfährt Ipon, dass es bis zu 6 Monate dauern kann bis ein neuer Judge offiziell bestätigt wird.

10.2015: Es ist immer noch kein offizieller Judge bestätigt worden und ohne Judge gibt es kein hearing. Es wird bis auf weiteres verschoben.

04.2016: PADATA berichtet IPON, dass es keinen neuen Termin und keinen neuen Judge zum „illigeal logging“ gibt.

06.2016: Das neue hearing zum „illigal logging“ wird auf den 20.07.2016 um 2:00 pm gelegt ist jedoch nicht offiziell „confirmed“. Dies wird wohl erst Anfang Juli der Fall sein.

Stand heute, haben wir dazu noch keine weiteren Infos. Das ständige Verschieben des hearings ist die eine Sache, die andere ist, dass alle 39 PADATA – Mitglieder zu Anhörung erscheinen müssen. Das Problem hierbei ist, dass der Weg vom Sitio zur Hall of Justice in Malaybalay City sehr weit und finanziell schwer zu stemmen ist. Des Weiteren berichteten uns die PADATA Member, dass die meisten gar nicht mehr im Sitio wohnen würden und in die Städte gezogen wären.

Es bleibt abzuwarten, wie sich dies weiter entwickelt. IPON wird natürlich weiter dran bleiben.

HOFFNUNG.

Die Befürchtung, dass sich im Laufe des CADT Antrags erneute harrassments und Bedrohungen im Sitio wieder ereignen könnten, hat sich zum Glück bisher nicht bestätigt. PADATA sagt, dass sie sich seit einem Jahr sicher fühlen.

Im Feburar 2016 waren zwei Treffen zwischen Governor Zuburi (Maramag) und einigen IPs, darunter auch PADATA. Dabei kam heraus, dass sich Zubiri weiter für die IPs einsetzen und sie finanziell unterstützen möchte. Er möchte auch in Kontakt mit der NCIP treten. Es werden in Zukunft wohl weitere Treffen stattfinden. PADATA findet den Kontakt zu Gov. Zubiri gut und freut sich, dass er ihnen helfen möchte.

Es wäre ein Meilenstein, wenn PADATA den CADT Antrag bekommen würde. Die Hoffnung ist der größte Antrieb des Menschen und ich bin guter Dinge, dass diese Geschichte ein positives Ende für PADATA haben wird.

FREUDE.

IPON sieht als positive Entwicklung, dass das DENR weiterhin mit PADATA zusammenarbeitet. So hat das DENR PADATA nach der verheerenden Sommerhitze (dabei ist mehr als die Hälfte der Ernte kaputt gegangen) Saatgut zukommen lassen. Nun kann PADATA seine Felder weiter bepflanzen.

SPAß / TRAUER.

Dass die oben genannten Substantive eng beieinander liegen, ist sehr wahrscheinlich vielen Lesern und Leserinnen hier bekannt. Auch ich kam in diesem Jahr wieder in dem Genuss zu merken was es heißt, beides zu erfahren. Bei PADATA ist feiern, zelebrieren  kurz „Party Party lang“ hoch im Kurs. Und so durften wir als IPON – Team an folgenden tollen Ereignissen teilnehmen: Vilmas Geburtstag, PADATA´s Weihnachtsfeier und der Nationaltag von Maramag (Araw day of Maramag) an dem 20 verschiedene tribes teilnahmen.

Irgendwann hieß es dann Abschied nehmen. Natürlich wurde auch dies zelebriert. Mein letzter Besuch bei PADATA war im Juni 2016 und die letzte Feier war sehr emotional. Kurz gesagt: es flossen einige Tränen.

ZUKUNFT.

Wie geht es nach IPON´s Mindanao Exit mit PADATA und IPON weiter? IPON möchte weiterhin in Mindnao tätig sein, denn viele sind sich darüber einig, dass Menschenrechtsarbeit gerade in Krisenregionen stattfinden sollte.

Gemeinsam mit PADATA wurde die Zukunfstrategie entwickelt, dass IPON alle zwei Monate das Sitio in Damgumbaan besucht. In der Regel sollte ein Besuch um die 2-3 Tage sein.

Weiterhin ist PADATA wichtig, dass IPON Präsenz im Sitio und in näherer Umgebung zeigt. Durch Besuche wie beim Mayor in Maramag, beim Brgy. Captain in Panalsalan oder z.B. durch den Besuch des araw day of Maramag kommt IPON diesem Wunsch mehr als nach.

Wie bereits oben beschrieben, sollte IPON kurz bis mittelfristig für das hearing zum „illegal logging“ und dem CADT – Antrag dranbleiben.

Langfristig sollte ein Auslaufmandat thematisiert werden.

Mindanao – Exit

Anfang März 2016 schlossen wir das Büro in Malaybalay City und führten es mit dem bereits bestehenden Office in Bacolod auf der Insel Negros zusammen. Die drei Teammitglieder Alex, Anna und Susi beendeten ihren sechsmonatigen Philippinenaufenthalt mit dem Rückflug nach Deutschland am 09.03.2016, während Chris für weitere sechs Monate von Negros aus arbeitete.

IPON ist seit einer geraumen Zeit im Weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) akkreditiert und kann es damit einigen Freiwilligen ermöglichen im Rahmen eines Weltwärts-Stipendium auszureisen. Im Mai 2015 veröffentlichte das deutsche Auswärtige Amt jedoch eine akute Reisewarnung für fast ganz Mindanao. Dies bedeutete auch eine Sperre für Stipendiaten des Weltwärts-Programms für diese Region, da das BMZ nicht für die Sicherheit seiner Stipendiaten garantieren konnte. Stipendiaten des Weltwärts-Programms dürfen seit dem nur noch nach Davao reisen.

Die Entscheidung des BMZ wurde zudem von der Organisation Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit getragen, welche in ihrer aktuellen Risk-Map für viele Regionen in Mindanao ihre Risikoeinschätzung erhöht haben. Auf einer Karte werden in dieser Map Regionen in einem Farbcode markiert. Sehr gefährliche Region werden in rot, gefährliche Regionen in orange, Regionen mit moderater Gefahr in gelbe und Regionen mit geringer Gefährdung in grüner Farbe gehalten.

In dieser aktuellen Ausgabe der Risk-Map ist auch die Provinz Bukidnon von Low (Sicher, grüne Farbe) auf Moderate (gelbe Farbe) angehoben worden. Das Mindanao Büro von IPON befand sich in Bukidnon, genauer in Malaybalay City. Nach internen IPON Sicherheitsregeln sind ausschließlich Bereiche die grün gefärbt sind als sicherer Wohn – und Arbeitsort geeignet.

Diese zwei Veränderungen, die Weltwärtssperre und die farbliche Veränderung der Provinz Bukidnon von grün in Gelb, haben zu IPON-internen Veränderungen geführt, sodass im November 2015 gemeinsam entschieden wurde das IPON-Büro in Malaybalay City zu schließen.

Das Auswärtige Amt beschreibt die Gefahren wie folgt: Es agieren islamistische Extremisten, wie z.B.: Abu Sayaf und kommunistische Rebellen wie z.B.: NPA in Mindanao, diese sind laut Auswärtigem Amt unteranderem für Anschläge und Entführungen in Mindanao  verantwortlich.

https://www.auswaertiges-amt.de/sid_144031AE899119E368CAC3F24E673304/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/PhilippinenSicherheit.html?nn=362664#doc362604bodyText2

Zum Verständnis werde ich hier kurz die wichtigsten agierenden Gruppen in Mindanao beschrieben:

NPA:

Die New People’s Army  ist eine revolutionäre kommunistische Gruppierung in den Philippinen die einen gewaltsamen Regimewechsel anstrebt. Sie ist seit Dezember 1969 aktiv.

Die NPA ist der militärische Flügel der Kommunistischen Partei der Philippinen oder PKP (Partido Komunista ng Pilipinas). Die Organisation hat schätzungsweise 10.000 Mitglieder, operiert hauptsächlich in ländlichen Gebieten, wo sie Angriffe auf das Militär und Polizei und Großkonzerne verübt.

MNLF:

Die Moro National Liberation Front ist seit 1972 in den Philippinen aktiv und beschreibt sich selbst als sezessionistische politische Organisation. Sie forderten eine politisch unabhängige muslimische Region in Mindanao. In der Geschichte Mindanaos kam es zu zwei Friedensabkommen zwischen der MNLF und der Philippinischen Regierung (1976 und 1996). Daraus resultierte 1989 die Gründung der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao), dies beinhaltet 13 Provinzen, die als autonome Region für Muslime im Süden Mindanaos unter der Souveränität der philippinischen Regierung agiert. Dies führte zwischen den Anhängern der MNLF jedoch zu Ungleichheiten und so spaltete sich MILF ab, die nicht nur einen unabhängigen freien Moro-Staat forderte, sondern auch eine stärkere Orientierung am Islam.

MILF:

Die Moro Islamic Liberation Front war bis 2010 eine militante Rebellengruppe, welche sich für die Rechte der Muslime auf Mindanao einsetzte. Seitdem kam es zu einem Kurswechsel der MILF, der zum Verzicht auf volle Unabhängigkeit eines Moros-Staates durch Gewalt, aber dafür Autonomie in Teilregionen in Minadanao durch Verhandlungen bemerkbar wurde. Damit verdrängte sie die MNLF als Verhandlungspartner in der Philippinischen Regierung. So kam es 2014 zu einem Friedensabkommen und so soll bis 2016 die autonome Region Bangsamoro auf Mindanao enstehen.

Ein hilfreicher Artikel zum Thema : http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Philippinen-Muslimische-Rebellen-fordern-Autonomie/14027

Abu Sayyaf:

Die Abu Sayyaf ist eine terroristische, islamistisch fundamentalistische Vereinigung, die hauptsächlich in Sulu aktiv und dafür bekannt ist, multiple Vernetzungen mit lokaler Politik und dem Militär zu haben. Sie spaltete sich 1993 ideologisch von der aus ihrer Perspektive zu liberalen MILF (Moro Islamic Liberation Front) ab, und wird als eine radikale islamistische Bewegung gesehen, die einen autonomen islamischen Staat fordert und eine Abspaltung der Moro National Liberation Front (MNLF) darstellt. Ihre Tätigkeiten konzentrieren sich seit Anfang der 90er-Jahre auf Entführungen, Lösegelderpressungen und Terroranschläge.

AFP:

Die Armed Forces of the Philippines  setzt sich aus der Philippinischen Armee, der Philippinischen Marine, der Philippinischen Luftwaffe und der Philippinischen Marine Korps zusammen. Stand 2014 hat die AFP schätzungsweise 90.000 Mitglieder, von denen 30.000 in der Armee und der Rest auf die Navy, die Marine Korps und die Air Force verteilt sind.

Die AFP agiert im Dienst der nationalen Sicherheit (National Defense) der Philippinen.

PNP:

Die Philippine National Police ist auf nationaler als auch auf lokaler Ebene die Polizei der Philippinen. Sie sorgt dafür, dass alle verabschiedeten Gesetze landesweit ausgeführt und durchgesetzt werden.

Um sich einmal die Karte Mindanao zu verbildlichen:

Mindanao ist die Zweitgrößte Insel in den Philippinen und mit einer Fläche von ca. 37.657 mi² leben dort ca. 21,58 Millionen Menschen.  Somit würde Mindanao ca. 3.662-mal in Deutschland hinein passen. Also wäre Mindanao damit ein ziemlich großes Bundesland.

Und sicherlich gibt es Gebiete in Mindanao, die sowohl für Ausländer_innen als auch für Philippin@s weniger sicher sind. Das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung im westlichen Teil Mindanaos aus. Dazu gehören unteranderem die Sulu – Gebiete, Zamboanga und Cotabato.

Darüber spricht das Auswärtige Amt Gefahren für die Urlaubs Inseln Siargao (eine Insel im Norden Mindanaos), Süd Palwan und Boracay aus (die letzten beiden befinden sich nicht in Mindanao).

IPON ist in diesen Gebieten bisher nicht tätig geworden und aktuell kreuzt sich kein Fahrweg durch eines dieser Gebiete zu unseren Partnern.

Aktuell arbeitet IPON in folgenden Regionen: Cagayan de Oro (Zentral, – nördlich), Bukidnon (zentral,- mittig) und Davao (zentral,- südlich).

Wie bereits geschrieben, ist Mindanao eine sehr große Insel, jedoch sollte man sich die Heterogenität dieser Insel immer wieder vor Augen führen. Es hilft, die bestehenden Gefahren in den einzelnen Regionen ernst zu nehmen, immer aktuell zu bleiben und dabei aber Mindanao als Ganzes nicht zu diffamieren.

Sicherheit: Ein sehr sensibles und individuelles Thema. Dies habe ich immer wieder in meinem Jahr in den Philippinen gemerkt. Wir haben unzählige Diskussionen geführt, sowohl in unserem Team als auch mit unseren philippinischen Freunden und Arbeitspartnern. Wann ist etwas wirklich sicher? Wer kann garantieren, dass es sicher ist? Was bedeutet für jeden einzelnen Menschen Sicherheit?

Wie Sie merken, liebe Leser und Leserinnen, befindet sich das Thema Sicherheit immer wieder in einem Spannungsverhältnis und muss von daher von verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und erläutert werden. Denn wie bei vielen anderen Themen hilft hier kein eindimensionales Denken.

IPON ist sich dessen bewusst und deswegen finden immer wieder aktuelle Diskussionen statt, es wird versucht eine interne aktuelle Sicherheitsanalyse Up – to Date zu halten. Dazu werden Partner und Partnerinnen immer wieder für Follow Ups zum Thema Sicherheit angeschrieben.

Wie geht es nun mit der Arbeit von IPON in Mindanao weiter?

Fakt ist, dass alle Weltwärtsler_innen von IPON nur nach Davao reisen dürfen und nicht mehr nach Bukidnon, wo wir den Fall PADATA haben. Das aktuelle Team in Negros besteht aus 2 Weltwärtsler_innen: Sebastian und Jessica und zwei nicht Weltwärtsler_innen: Chris und Lisa.

IPON hat seine Fälle in Mindanao nicht aufgegeben. Gemeinsam mit unseren Partnern wurde eine Zukunftsstrategie entwickelt, die so aussieht, dass die beiden nicht Weltwärtsler_innen alle 2 Monate nach Mindanao reisen, um sich mit unseren Partner zu treffen. Weiterer Bestandteil der Arbeit ist es, Netzwerkarbeit zu leisten und sich der Sicherheitsfrage in Mindanao zu stellen. Denn viele bei IPON sind sich darüber einig, dass gerade Menschenrechtsarbeit in Krisengebieten wie Mindanao bestehen bleiben sollte.

Ab September 2016 wird IPON mit sieben IPON-Observer und –Observerinnen  in Bacolod direkt vertreten sein. Da das damalige Büro/Wohnung in Bacolod nicht für so viele ausgelegt waren, mussten wir auch innerhalb Bacolods umziehen. Ursprünglich wollten wir ein Haus finden, in dem alle sieben unterkommen konnten, da wir bis Juli aber nichts in unserer Preisklasse finden konnten, sind wir im August in zwei neue Häuser umgezogen, die nah beieinander liegen.

Es wird sich jetzt zeigen was die Zukunft bringen wird. Ob IPON noch einmal mit einem Office nach Mindanao zurück kann, ob sich die Sicherheitslage verändert, oder ob IPON bei der Strategie bleibt, temporär Mindanao Fahrten zu machen.

Wer sich weiter zu dem spannenden Thema rund um Mindanao einlesen möchte hier ein paar Interessante Links:

Tribe-Fest in Lantapan

Am Mittwoch, den 14.10.2015 holte uns um 08:00 Uhr unser Freund Rodney mit seinem Pick-Up ab. Ziel unsere Reise war ein Tribe-Festival beim Stamm Talaandig in Lantapan, Bukidnon.

Grund der Feier war das Projekt „Feed 10.000 Journey“ , ein Fest an denen sich sieben verschiedene Tribes beteiligten, um auf die wichtige Verbindung von Nahrung und Frieden aufmerksam zu machen. Jeder einzelne Datu, das spirituelle Oberhaupt jedes Tribes, jede beteiligte Organisation sowie auch wir, als ledigliche Besucher, wurden offiziell auf der Bühne begrüßt. Zwischen den Reden, die in Taalandig,Visaya oder auch zum Teil in Englisch gehalten wurden, gab es immer wieder Tanzeinlagen, die eine Art Adler- Tanz oder einen Schaukampf darstellten. Nebenbei bauten die einzelnen Tribes Essensstände rund um den Marktplatz auf.

Nach der Zeremonie war es dann soweit: Die Essenstände wurden von den einzelnen Tribe-Oberhäuptern eröffnet. Das Besondere war die Vielfältigkeit sowie die freie Ausgabe der zahlreichen Lebensmittel.

Während der Feierlichkeiten, kamen wir immer wieder mit verschiedenen Vertreter_innen von Organisationen, Angehörige der Tribes sowie auch den Datus ins Gespräch und konnten  somit unsere Arbeit als Peace Observer und Observerinnen erklären. Die für uns spannendste Erfahrung waren die  einzelnen Geschichten der verschiedenen Tribes und das kurze Eintauchen in deren Kultur. Weitere Themen waren die Wichtigkeit von Land für die Indigene Bevölkerung sowie, dass niemand auf der Welt Hungern sollte. „Denn wer hungert, könne nicht lieben und ohne Liebe, kann es keinen Frieden geben“, so der Kerngedanke des Festes und der dort lebenden Bevölkerung. Danach wurden wir in das Haus von WawayTribe eingeladen. Einen berühmten Musiker in Bukidnon. Das Schöne an seinem Haus und Grundstück war, dass wirklich jeder einzelne Mensch willkommen gehißen wurde und es eine ständige Bewegung gab. Es wurde den ganzen Tag Musik gemacht. Ein absolut magischer Ort, der vor spiritueller Kraft nur so strotzte.

Nach einem gemeinsamen Abendessen gingen wir alle auf das Dorf-Festival. Es wurde schöner Reggae gespielt und das Finale gehörte unserem Gastgeber Waway, der mit seiner Band das Publikum richtig zum Feiern brachte.

Am nächsten Morgen hatten wir mit Waway inspirierende Gespräche über die Erde, die Planzen und das Sein. Ein wichtiges Thema war ihm Nahrung, denn ohne könnten wir nicht existieren. Waway erzählte uns von seiner Idee, einen Film zu drehen, in dem jeder Mensch, von Politiker_innen, Armee, Bauern und Bäuerinnen bis hin auch NPA-Akteur_innen ihre Waffen und ihre Konflikte niederlegen sollten, um dann gemeinsam das Land zu beackern.

Leider mussten wir diesen für uns magischen Ort verlassen und zurück nach Malaybalay City fahren. Jedoch wurden wir herzlich eingeladen ein Wochenende vorbei zu kommen und den Farmer_innen dabei zu helfen, gemeinsam das Land zu bepflanzen..

Über diese Möglichkeit freuen wir uns sehr!

Ameisen gegen Goliath Menschenrechtsbeobachtung in den Philippinen – ein Radiofeature

„Wir haben ein Recht auf unser Land“, betont Jessielyn Colegado, Vizepräsidentin der Indigenen Organisation PADATA. Seit Jahrzehnten befindet sie sich im Konflikt mit dem Landpächter, da beide Parteien Anspruch auf Landtitel erheben. Ein Team freiwilliger Menschenrechtsbeobachter*innen begleitet die Menschenrechtsverteidiger*innen bei ihrem friedlichen Engagement.

Die Observerin Muriel Gahl, hat während ihrer Zeit in den Philippinen ihre Arbeit und den Einsatz der lokalen Menschenrechtsverteidiger*innen dokumentiert und aufbereitet.

Aus den insgesamt fast 12 Stunden Tonaufnahmen ist ein Radio Feature entstanden, in dem unsere begleiteten Partner*innen zu Wort kommen und ihre Situation vor Ort beschreiben. Gleichzeitig gibt das Radio Projekt einen Einblick in die Rolle eines/einer IPON Observers/Observerin in den Philippinen.

Die Observerin Muriel Gahl mit den philippinischen Menschenrechtsverteidiger*innen

Am Montag, 2. November 2015, 19.20 Uhr bei SWR2 Tandem und danach in der Mediathek ist der Beitrag nachzuhören!

Information unter dem Link: http://bit.ly/1M98Zb2

Geburtstag von PADATA

Am 27.09.2015 war es dann für das neue Team Mindanao endlich soweit. Wir sind für die alljährliche anstehen Geburtstagsparty ins Sitio von PADATA gefahren. Leider hatte die Feierlichkeit einen bitteren Nachgeschmack, da das PADATA-Hearing am 23.09.2015 seitens des Staatsanwalts abgesagt wurde. Grund dafür war eine Seminarreise seinerseits.

Neben dem Ziel die Organisation PADATA kennenzulernen und den ersten Kontakt mit dem neuen Mindanao-Team herzustellen, wollten wir das Treffen dazu nutzen, um das abgesagte Hearing zu thematisieren. Was hält PADATA davon? Wie wollen sie weiter vorgehen? Was erwarten sie von uns? Wie können wir die Organisation weiter unterstützen?

Weiterhin sollte die anstehende Delegationsreise im Oktober in Manila Thema sein. Bei dieser Reise geht es darum, das Thema Kriminalisierung in den Philippinen mit verschiedenen staatlichen Akteuren, unter anderem der Comission of Human Rights und der Polizei im Allgemeinen zu besprechen. Allerdings soll ein besonderer Fokus auf den Fall PADATA gesetzt werden. Aus diesem Grund werden neben Zara Alvarez und Cocoy Tulawie auch zwei PADATA-Mitglieder daran teilnehmen.

Die Anreise zum Sitio erschwerte sich wegen starkem Regenfall, sodass wir ein Stück zu Fuß gehen mussten. Wir wurden von Jessie, PADATAs Vize-Präsidentin, geführt und es wurde daraus eine dreistündige Klettertour, in der wir jedoch die Schönheit der Philippinischen Natur erleben durften.

Im Sitio wurde wir herzlichst begrüßt und im Haus von Vilma, der Präsidentin der Organisation, untergebracht. Nach einem gemeinsamen Abendessen nutzen wir die Zeit, um mit Jessie und Vilma zu reden.

Ergebnis unseres Gesprächs war, dass das abgesagte Hearing für PADATA nichts Neues sei und dies zum wiederholten Male passiert wäre. Dies sei normal in den Philippinen, wenn Menschen wenig Geld haben. Sie wünschen sich von uns, dass wir den neuen Termin zum Hearing in Erfahrung bringen und ihnen mitteilen. Weiterhin wünschen sie sich wieder, dass IPON mehr Präsenz im Sitio zeigt. Konkret heißt das für uns, dass wir jeden Monat das Sitio besuchen möchten. Jessie hält es zudem für wichtig, dass die neuen Observer_innen den Bürgermeister von Maramag kennen lernen.

Wir informierten sie über die Details der Delegationsreise und wir verblieben so, dass sie Zeit brauchen zu entscheiden, wer an dieser Reise teilnimmt. Sie freuen sich auf diese Reise und halten sie für wichtig.

Das Team Mindanao wird jetzt die nächste Zeit dazu nutzen, den neuen Termin des Hearings herauszufinden und versuchen mit Jessie einen Termin zu finden, um den Bürgermeister von Maramag zu besuchen und kennenzulernen. Bis dahin möchte PADATA eine Entscheidung treffen, wer an der Delegationsreise teilnimmt.

Commemorating Rolando Panggo – Assassinated Human Rights Defender

Today we remember the birthday of Rolando Panggo, a human rights defender, who was allegedly murdered on November 29th, 2014.

Mr. Panggo worked as a community organizer for PM (Partido Manggagawa), a labor party dedicated to support farmers in their struggle to obtain their rights regarding agrarian and labor disputes.

Rolando `Lando` Panggo was assigned to support the Hacienda Salud Farm Workers Association (HASAFAWA) in 2013. During his work there, he was harassed, threatened and several suspects   attempted to bribe him and his family. Despite these obstacles he continued his work and struggle.

At around 6:30pm on November 29, Mr. Panggo was killed by gunshot when returning from a meeting in Isabela, Negros Occidental. His cousin witnessed the assassination, but could not identify the three perpetrators as his head was pressed to the ground during the killing. However, he heard the perpetrators say „you’re a nuisance, you’re interfering even with the landholdings“. Mr. Panggo’s death leaves behind his wife and seven children.

Mr. Panggo´s assassination was motivated to stop his human rights activism and his involvement with the HASAFAWA farmers and their struggle. His case is still being processed and we hope that justice will be served and those responsible will be held accountable for their crimes.

 

Our condolences go out to the family and friends and we hope to see the work he started to be continued in the future.

Citra Mina

Am 25. Februar konnten die 43 philippinischen Fischer, die in Indonesien wegen illegalem Fischfang für sechs Monate inhaftiert waren, endlich wieder in ihre Heimatstadt General Santos auf Mindanao zurückkehren.

Ihr Fischerboot,  die Love Merben II, war ohne Fischfangerlaubnis und die Fischer ohne Ausweispapiere über die indonesische Seegrenze gefahren und wurde von der indonesischen Küstenwache gefasst. Die 43 Fischer wurden auf Ternate Island inhaftiert. Ihre Freilassung wurde durch die Bemühungen von SENTRO, der globalen Gewerkschaft IUF und dem Department for Foreign Affairs (DFA) erwirkt.

Herbert Demos, SENTRO Mitarbeiter und Mitglied des Rescue Teams berichtet über die Verhältnisse unter denen die philippinischen Fischer in Indonesien festgehalten wurden: “I am poor, and was raised in poverty, but I cannot eat what our compatriots were eating in Ternate. The rice they ate had more rice weevils (lice) than rice grains, but they had no choice. I learned that sometimes they quarreled over food because of extreme hunger. What is painful, too, is that they were never visited by our consulate personnel in Manado, “

Laut Angaben von SENTRO übernahm das Unternehmen jedoch keine Verantwortung für die inhaftierte Crew der Love Merben II.

Atty. Emil Pana, rechtlicher Berater der Gewerkschaft, berichtete in einem Verfahren gegen Citra Mina, wie das Unternehmen systematisch das Arbeitgeber-Angestellten-Verhältnis verschleiert. Am Beispiel der Love Merben II machte der Anwalt deutlich, wie das Unternehmen Dummies als Schiffsbesitzer einsetzt. Somit ist nur der Dummie offizieller Angestellter der Citra Mina. Dabei ist es eigentlich offensichtlich, dass diese Dummies gar nicht über die Mittel verfügen können, ein multi-millionen Peso Unternehmen zu führen.

Fred Lumba, Sprecher des Unternehmens gab hingegen im Interview mit Mindanews an, dass die Firma die Fischer unterstützt habe obwohl sie keine Mitarbeiter von Citra Mina gewesen sein, sondern Angestellte des Bootsbesitzers. “(The company) gave them financial assistance for their fuel and food. They will just settle it upon their return with their harvest,” so Lumba im Gespräch mit dem Fernsehsender TV Patrol. Obwohl die Fischer nicht bei Citra Mina angestellt waren, habe sich das Unternehmen für ihre Rückkehr eingesetzt.

Citra Mina ist das zweit größte Fischfangunternehmen der Philippinen und gehört der Lu Familie an. Die Firma steht nicht nur in diesem Fall in der Kritik: Citra Mina ist für die Missachtung von Arbeiterrechten berüchtigt. So entließ die Firma im August 2013 illegaler weise 237 Mitarbeiter, um die Gewerkschaft zu zerbrechen. SENTRO beschuldigt Citra Mina Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Dazu gehört laut SENTRO zum Beispiel das Verschwinden lassen von Arbeitern, die sich über Missstände bei Citra Mina beschwert haben.

Derzeit muss sich Citra Mina den Ermittlungen des Congress stellen und bekommt dabei nicht nur von öffentlichen Stellen sondern auch von anderen Tunfisch Firmen Druck. Diese befürchten nämlich mit in den Sog zu geraten. Josua Mata, Generalsekretär von SENTRO warnt nun, dass das erst kürzlich in Kraft getretene EU GSP Plus gefährdet werden könnte, wenn im Rahmen des Verfahrens Verletzungen von Arbeiterrechten bekannt werden würden. Das EU GSP Plus ermöglicht unter anderem den Tunfisch Firmen aus General Santos den zollfreien Verkauf von Fischprodukten in den Mitgliedsstaaten der EU.

Durch das Verfahren können nun die Machenschaften der Tunfischkonzerne ans Licht kommen, die bisher straflos blieben. Hierzu gehören Nur-Arbeitskraft-Verträge, Sperrlisten, Mangel an sozialer Absicherung für die Fischer sowie das unterdrückende Sacada System.

Ziel der Gewerkschaften ist es nicht, die Firma zum Beispiel durch Boykottaufrufe zu zerstören. Vielmehr soll gemeinsam mit der Firma an verbesserten Arbeitsbedingungen gearbeitet werden. Am Beispiel der Citra Mina soll ein Beispiel für andere Tunfisch unternehmen statuiert werden.

IPON hat erfahren, dass Aktivisten seit ihrem Engagement in diesem Fall Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt sind.

Manila/Bondoc/Davao – März bis Juli 2015: Ein Update

COCOY

Der kriminalisierte MRV Temogen „Cocoy“ Tulawie wurde am 17.07.15 in beiden Anklagepunkten freigesprochen. Wir freuen uns mit ihm und seiner Familie und würdigen den zügigen Verlauf des Prozesses und das faire Urteil!

Die am 11.06.15 begonnene Online-Petition wurde über 400-mal unterschrieben und vor dem Urteil an die jeweiligen staatlichen AkteurInnen übersand. Wir danken allen für die Unterstützung und Mithilfe auf Cocoys Fall aufmerksam zu machen!

Cocoy möchte nun gerne in seiner Heimatregion Sulu zum BBL (Bangsamoro Basic Law) arbeiten – Mussah und die Kinder wohnen aber weiterhin in Davao. Vorstellen kann sich Cocoy auch ein festes Office für BAWBUG in Davao und ein Mandat zwischen BAWBUG und IPON.

BONDOC

Seid der letzten Bondoc-Fahrt gibt es einige Neuigkeiten- deshalb hier nun ein kleiner Fortschrittbericht über unsere aktuellen Fälle.

Im März 2015 hatte Dannyboy Tulid bereits angekündigt, dass er gerne eine Aussage beim NBI (National Bureau of Investigation) machen würde, um den Fall seiner ermordeten Frau beim NBI in Lucena neu aufzurollen und in Verbindung mit dem Landkonflikt zu setzen. Der Landbesitzer  hatte Dannyboy 2 HA Land vermacht, wobei unklar bleibt, um welches Land genau es sich handelt: Es wurden keine genauen, offiziellen Dokumente erstellt, welche anzeigen, um welches Land es sich handelt. Dannyboy war mit seinen drei Kindern beim Hearing am 26.6.15 in Gumaca. Beim Hearing hat Dannyboy den Mörder seiner Frau klar identifiziert. Die Verbindung zwischen dem Mord und dem Landkonflikt soll während der nächsten Anhörungen klar heraus gearbeitet werden. Das nächste Hearing ist am 26. November.

Leider war es nicht möglich, ihn und unseren Ansprechpartner vom NBI in Lucena  zusammen zu bringen. Somit ist es immer noch schwierig, dass Dannyboy eine Aussage in Lucena macht, da er keine finanziellen Mittel hat, um nach Lucena zu reisen. Unsere Kontaktperson vom NBI  war bereits Anfang des Jahres auf der Tulid-Farm, jedoch wollte Dannyboy zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage tätigen. Vielleicht ergibt sich beim nächsten Mal eine gute Möglichkeit, beide zusammen zu bringen, z.B über die MAG (Medical Action Group) welche auch zum Tulid-Fall arbeitet. Diese hatten erst kürzlich Dannyboy Schweine und ein Handy zur Verfügung gestellt. Außerdem wird Dannyboys Sohn  finanziell in seiner Ausbildung unterstützt.

Side Note: Die MAG (Medical Action Group) ist eine 1989 gegründete NGO, welche sich hauptsächlich auf die medizinisch, psychische und finanzielle Betreuung von MRV konzentriert. Moment haben MAG und TFDP haben ein dreijähriges Projekt (noch bis Ende 2016) zum Thema Schutz von MRV.

Des Weiteren gab es eine erneute Kontaktaufnahme mit der Hacienda Matias. Es gab bereits ein Mandat, welches 2010 beendet wurde. Im November 2014 begannen die Harassments von Neuem, da die Farmer CLOAs für 637 Hektar Land übergeben bekommen haben. Im April errichten sie das erste und sofort sehr erfolgreiche Protestcamp in Manila. Es wurde ein Interagency Comittee aus DAR, CHR, DOJ, DILG, DOSW und einigen anderen gebildet. Dieses Komitee ergab, dass 180 PNPs, die Farmer bei der Installation begleiten und 24/7 für mind. 15 Tage präsent sein sollten. Dies konnte nicht umgesetzt werden, da erst jetzt im Juni das Budget (8 Mil. PHP) freigegeben wurden. Die Installation am 9. Mai schlug fehl. Deshalb kehrten einige Farmer zurück nach Manila. Das Komitee-Meeting am 29. Juni war jedoch erneut erfolgreich, da kurz danach eine erneute Installation glückte! IPON plant auf dem Wunsch der Farmer hin demnächst für längere Zeit vor Ort Präsenz zu zeigen um die Sicherheitslage zu unterstützen.

PETALCORIN

Am 2. Juli jährte sich zum 2. Mal der Mord am Transport-Leader Antonio O. Petalcorin. Antonio Petalcorin. Leider gibt es kaum Neuigkeiten. Einziger Ansatzpunkt für die APL/SENTRO und IPON ist das AO35-Komitee, welches sich mit EJK (extra juridical killings) auf nationaler Ebene befasst. Falls der Petalcorin-Fall es in dieses Komitee schafft, könnte der Mord neu untersucht werden (siehe Blogartikel zu Petalcorin).

CALAUAN

Im Juni erreichte IPON eine Anfrage aus Manila bzw. Calauan/Lagunas: Der Fall der Hacienda de los Reyes. Hier geht es um den Kokosnuss-Farmer Agapito Silva, welcher am 4. Februar 2015 auf seiner Farm ermordet wurde. Sein Haus wurde von 100 PNPs und Militär-Leuten Stunden vorm Mord umringt. Nach Angaben seiner Frau sollte er dazu bewegt werden, das Haus zu verlassen um ihn letztlich von einem Scharfschützen zu erschießen. Zeitungs- und Medienberichte sprechen von einer Geiselnahme, die von der Polizei erfolgreich (und tötlich) beendet werden konnte. Demnach hätte Agapito unter Drogen gestanden und seine Kinder als menschliche Schutzschilder benutzt. Der pathologische Bericht unterstützt diese Aussage nicht; Agas Körper weist keinerlei Spuren von Drogen nach. Der Polizeichef wurde in den Medien als Held gefeiert. Ein Interview der Ehefrau oder Kinder wurde aufgezeichnet, aber nie ausgestrahlt. Zurück bleibt Evangeline Silva, die Ehefrau und Pesante Vorsitzende mit ihren 7 Kindern. Beide waren innerhalb Pesante Pesante, eine der größten Bauernbewegung der Philippinen, aktiv und setzten sich seit 2013 für eine gerechte Verteilung ihres Landes ein. Der Landtitel wurde erworben aber verschiedene Farmer haben ihr Land „illegal“ zurückverkauft, nachdem sie den Titel bekommen hatten. Nun läuft eine Petition, die eine gerechte Landverteilung an die Petitionisten gewährleisten soll. Im Juni hat Vangie begonnen, Anklagen gegen den Barangay-Vorsitzenden  zu erlassen. Er wurde verhaftet, konnte sich per Kaution wieder freikaufen und ist weiterhin Barangay-Vorsitzender. IPON war bereits zweimal bei Vangie und hat begonnen, mit dem CHR (Commission on Human Rights) Kontakt aufzunehmen Das DILG  (Department of Interior and Local Government) wurde bezüglich Sicherheit und finanzieller Unterstützung angefragt. Jetzt kämpft Vangie weiter, gegen die Verleumdung ihres Mannes, für die schnelle Bearbeitung ihrer Petition und gegen die vorherrschende Korruption auf munizipaler und provinzialer Ebene. IPON bleibt weiter in engem Kontakt mit Vengie und versucht, sich für ihre Sicherheit und der Aufarbeitung des Mordfalles einzusetzen.

Freispruch für Menschenrechtler Tulawie: Pressemitteilung

Der Menschenrechtsverteidiger Cocoy Tulawie wurde gestern nach über 1283 Tagen im  Gefängnis vom Gericht freigesprochen – in allen beiden Anklagepunkten.  Seit Anfang 2013 begleitet IPON Herrn Tulawie im Gefängnis und während des Gerichtsverfahrens.

Pressemitteilung (vom 20.07.2015)

Philippinen: Menschenrechtsverteidiger „Cocoy“ Tulawie freigesprochen!

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Nach mehr als dreieinhalb Jahren wurde der philippinische Menschenrechtsverteidiger Cocoy Tulawie gestern vom Gericht in Manila freigesprochen. Philippinische und deutsche Menschenrechtsorganisationen begrüßten das positive Urteil.

 

 

 

 

 

„Das ist ein unglaublicher Erfolg für Cocoy, seine Mitstreiter und Familie, jetzt ist er endlich frei. Wir hoffen, dass dieses Urteil auch eine Signalwirkung für weitere Fälle von kriminalisierten Menschenrechtsverteidiger_innen in den Philippinen hat“, sagt Johannes Richter von der Menschenrechtsorganisation International Peace Observers Network (IPON) erfreut.

Der Fall von Temogen ‚Cocoy‘ Tulawie stand beispielhaft für die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger_innen in den Philippinen. Tulawie ist Begründer der Menschenrechtsorganisation BAWBUG in Mindanao und hat sich im Rahmen von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen für die Demokratisierung lokaler Politik, Transparenz in der Regierung und für die Aufrechterhaltung der Bürgerrechte im Sulu- Gebiet engagiert. Seine Kampagnen enthüllten zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, begangen durch die lokale Regierung. IPON geht davon aus, dass die Anklage gegen ihn politisch motiviert war, mit der Intention ihn an seiner Arbeit zu hindern. Gleichzeitig handelt es sich hier auch um politisch-motivierte Kriminalisierung, die weit verbreitet in den Philippinen ist.

„Das philippinische Justizsystem wird immer wieder missbraucht, um politisch unliebsame Individuen und Organisationen unter willkürlichen und frei erfundenen Anklagepunkten vor Gericht zu bringen. Diese Strategie ist besonders durch die Trägheit der philippinischen Justiz sehr effektiv und hat für die Betroffenen weitreichende sozio-ökonomische Folgen“, führt Johannes Richter weiter aus.

IPON beobachtete, neben der EU, mithilfe von freiwilligen Menschenrechtsbeobachter_innen den Gerichtsprozess und startete im Juni eine Online Petition, die sich für einen gerechten Gerichtsprozess sowie gegen die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger_innen an das philippinische Justizministerium wendete.

2. Juli 2015 – Zum zweiten Todestag des ermordeten Gewerkschaftsführers Antonio „Dodong“ Petalcorin.

Am Morgen des 2. Juli 2013 wurde der philippinische Gewerkschaftsführer Antonio Petalcorin von einem unbekannten Täter erschossen. Er war auf dem Weg zu seiner Arbeit, als ihn drei Schüsse vor seiner Haustür trafen. Jede Hilfe kam zu spät, er verblutete noch am Tatort. Er starb mit 56 Jahren und hinterließ Frau und Kinder. Seit seinem Tod arbeitet IPON an der Seite von APL/SENTRO gegen die Straflosigkeit im Mordfall von Antonio Petalcorin.

Es war bereits der dritte Anschlag auf Gewerkschaftsaktivisten, die in Davao im Süden der Philippinen auf der Insel Mindanao für Aufruhr sorgten. Im Januar 2013 wurde Emilio Rivera Opfer eines Anschlags. Im April konnte Toto Cirilo knapp zwei Anschlägen entrinnen; bis heute lebt er aus Angst versteckt unter Polizeischutz. Alle drei Männer waren engagierte Gewerkschaftsaktivisten in Davao City und kämpften gegen Korruption und faire Arbeitsbedingungen im Transportsektor.

Antontio Petalcorin war Präsident des Network of Transport Organization (NETO), eine Unterorganisation der Nationalen Transport Gewerkschaft National Confederation of Transport-workers Union (NCTU), außerdem Teil der Alliance of Progressive Labour (APL), jetzt SENTRO. Die meiste Aufmerksamkeit zog er auf sich, als er 2012/13 eine Kampagne gegen das Land Transportation Franchising Regulatory Board (LTFRB) wegen Bestechung und Korruption organisierte und anführte.

The Alliance of Progressive Labor (APL) The Alliance of Progressive Labor (APL) ist ein nationalerGewerkschaftsdachverband bestehend aus unterschiedlichen Gewerkschaften und Organisationen zumeist aus dem informellen Sektor mit der Vision, eine breite Allianz für Arbeitsrechte in den Philippinen zu schaffen. Als Mitbegründer ist APL Mitglied des neuen Gewerkschaftsdachverband („Labor Center“) Sentro ng mga Progresibong Manggagawa (SENTRO) mit 18 Gewerkschaftsverbänden und rund 150 000 Mitgliedern sowie der in 2015 neu initiieren noch breiteren Allianz von Gewerkschaftsverbänden Nagkaisa. Sie sind nationalweit organisiert, mit der Hauptgeschäftsstelle in Manila und sind eine der wichtigsten politischen Akteure bzgl. Arbeitsrechten in den Philippinen. Antonio Petalcorin war engagiertes Mitglied der APL/SENTRO. Sie und seine MitstreiterInnen sind sich der Verbindung zwischen Mord und Petalcorins Gewerkschaftsarbeit sicher und arbeiten seit seinem Tod gegen die Straflosigkeit der Täter an. Sie vermuten, dass der Mord die Fortsetzung einer Reihe von Versuchen ist, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die die Korruption im LTFRB-Büro aufdeckten, unter der vor allem kleine öffentliche Transportunternehmen und Selbständige leiden.

Petalcorin, Cirilo und Rivera engagierten sich für bessere Bedingungen im öffentlichen Transportwesen, gegen steigende Benzinpreise, befristete Verträge und schlechte Bezahlung. 2012 zogen sie die größte Aufmerksamkeit auf sich, als sie eine Bestechungs- und Korruptionsaffäre im Transportsektor aufdeckten und führende Personen der LTFRB direkt beschuldigten und ihre Verwicklungen innerhalb der Affäre offenlegten. Gegenstand der Kampagne waren illegale Bestechungsgelder, die FahrerInnen für ihre Fahrlizenzen zahlen müssen. Liegt die gesetzlich festgesetzte Gebühr bei 6000PHP (umgerechnet ca. 120€), muss letztendlich ein Zehnfaches an Bestechungsgeldern addiert werden, um eine Lizenz zu erhalten. Die Kampagne sorgte für großes mediales Aufsehen. Besonders der Direktor der LTFRB, Benjamin Go, stand im Zentrum der Kritik. Petalcorin organisierte Demonstrationen und erstatteten Anzeige gegen Go. Die Anführerrolle machte ihn schließlich zum Ziel von Bedrohungen. SENTRO vermutet, dass er gerade durch die Anzeige zum target wurde. Durch seinen Tod fällt auch die Anzeige. MitstreiterInnen Petalcorins sind zu eingeschüchtert, um erneut Anzeige zu erstatten.

Nach Angaben seiner Ehefrau gab es keinerlei Bedrohungen gegen Antonio Petalcorin oder Anzeichen eines Mordanschlags. Der Tod von Emilio Rivera war das erste Alarmsignal. Rivera war Anführer eines Transportunternehmens, der Matina Aplaya Transport Cooperative (MATRANSCO) und wurde am 25. Januar 2013 ebenfalls von unbekannten Tätern erschossen. Toto Cirilo entkam nur knapp den Anschlägen, eine Granate, die in sein Haus geworfen wurde, explodierte glücklicherweise nicht. Petalcorins Name hatte neben anderen Human Rights Defenders 2008 in einer Power Point Presentation der Armed Forces of the Philippines (AFP) unter „Know Thy Enemies“ gestanden. Die AFP benutzte diese PPP innerhalb von Informationskampagnen, die in ländlichen Communities durchgeführt wurden. SENTRO schließt daraus, dass Petalcorin schon früh unter besonderer Beobachtung seitens staatlicher Akteure stand. GewerkschaftsaktivistInnen werden in den Philippinen schnell dem linken Spektrum zugeordnet, KollegInnen und WegbegleiterInnen Petalcorins stehen auf ähnlichen Listen. Die Bezeichnung „Red Baiting“ hat sich hier verbreitet und bezeichnet eine kommunistische Markierung als Vorwand für besondere und intensive Beachtung, bishin zu politisch motivierter Kriminalisierung. Betroffene HRDs müssen sich gegen Verleumnung und oft willkürlichen Anzeigen zur Wehr setzen.

Kurz nach dem Mord, begann die APL intensiv auf den Fall aufmerksam zu machen. Es wurde eine an Präsident Aquino adressierte Briefaktion und Petition gestarten. SENTRO erwirkte, dass die Comission on Human Rights Davao (CHR) im Fall aktiv wird und auch die nur zögerlich agierende Polizei ihre Ermittlungen aufnahm. Zentral bei diesem sehr wahrscheinlich politisch motivierten Mordfall ist die Suche nach der Verbindung zum Auftraggeber. Um weiterführende Ermittlungen zu beginnen, war es also wichtig die Verbindungen zu Petalcorins Gewerkschaftsarbeit zu belegen.

In den Medien war der Fall problematisch: Einige JournalistInnen, die über den Fall berichteten, wurden von ihren Vorgesetzten zurückgerufen. Aufsehen erregte ein Fernsehinterview, in dem ein inhaftierter Auftragmörder angab, mit dem Mord beauftragt worden zu sein. Er wäre von Benjamin Go angeheuert worden, jedoch kam ihm jemand zuvor, bevor er den Mord ausführen konnte. Ein davaoer Journalist schaffte es tatsächlich über diesen Kontakt auch mit dem wirklichen Täter in Verbindung zu kommen. Dieser gab an über eine sogenannte „Fixxerin“ Army Escandor, den Auftrag bekommen zu haben. SENTRO hoffte eine Anklage Escandors würde die Verbindung zu Benjamin Go herstellen. Die erfolgsversprechenden Hinweise führten jedoch zu keinem Fortschritt. Der Journalist wurde mehrfach bedroht, nach eigenen Aussagen von Benjamin Go. Er will aus Angst nun nicht weiter in den Fall involviert werden und zog das Angebot, bei der Polizei auszusagen, zurück.

Ähnliches gilt für Petalcorins Familie. Sein Sohn war gewillt, aktiv in der Aufklärung mitzuarbeiten und eine Anzeige bei der Polizei, PNP Davao City, zu erstatten. Jedoch erfuhr die Familie weitere Verluste (nicht mit Petalcorins Fall verbunden). Petalcorin war bereits das dritte Mordopfer in der Familie. Ein Jahr zuvor wurde ein Verwandter Opfer eines Mordanschlags. Er war im Minensektor ebenfalls Gewerkschaftsaktivist und wurde nach Bedrohungen schließlich getötet. Die Familie ist nun schwer traumatisiert. Seine Frau erwähnte schon kurz nach dem Mord, sich endgültig aus der Gewerkschaftsarbeit zurückzuziehen. Sie wolle nicht die Arbeit ihres Mannes fortsetzen, sondern ein sicheres Leben für ihre Kinder.

2. Juli 2015 – Zwei Jahre danach: Ein Ausblick

Zwei Jahre nach dem Mord an Petalcorin und Rivera ist die Lage ernüchternd. Weder der eigentlichen Täter, noch Auftraggeber sind gefasst. Nach Angaben der PNP Davao hängt der Fall noch in der Schwebe, es gibt lediglich “circumstancial evidences”, die juristisch zu schwach sind, um Anklage zu erheben. Die Familie Petalcorins lebt gegenwärtig in den USA und wünscht keine weitere Verbindung zu dem Mordfall und der traumatischen Vergangenheit. Auch Petalcorins ehemalige Mitstreitenden sind schwer zu mobilisieren, da auch sie Bedrohungen ausgesetzt sind. Die Situation in Davao ist für SENTRO schwierig. Sie verfolgen nun eine neue Strategie auf nationaler Ebene. Nach Gesprächen mit Justizministerin Leila De Lima und weiteren staatlichen Akteuren versucht SENTRO, wieder Bewegung in den Fall zu bekommen. Einen herben Rückschlag erlebte die Kampagne diesen Mai: Der Vorschlag Petalcorins Fall in das AO35 Komitee, einem Komitee der Regierung zur systematischen Untersuchung von EJK, aufzunehmen, wurde unter Berufung auf einen Polizeibericht der PNP Davao abgewiesen. Laut diesem Bericht werden auf unverständlicher Weise private Verstrickungen Petalcorins als Ursache für seinen Mord angegeben. Unterlagen von CHR und SENTRO, die Petalcorin klar als EJK kategorisieren, wurden ignoriert. Die Aufnahme in dieses Komitee hätte weitere Ermittlungen auf nationaler Ebene an Petalcorins Mord bedeutet, jenseits lokaler Machtstrukturen und Einflüssen, die eine Aufklärung behindern bzw. verfälschen könnten. Benjamin Go ist weiterhin weit entfernt, sich Gesprächen oder juristischen Nachforschungen zu stellen. Vermutungen, dass seine familiäre Verbindung zum Bürgermeister von Davao, Rodrigo Duterte, ihn schützen, werden selten bezweifelt.

Es bleibt abzuwarten, ob auf nationaler Ebene genügend Druck aufgebaut werden kann, um Petalcorins Mord weiter zu untersuchen und ihm letztendlich Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Die Situation für Gewerkschaftsaktivisten in den Philippinen bleibt weiter schwierig. Zu oft sind mächtige Familien und kapitalstarke Konzerne einflussreicher als implementierte Gesetze. SENTRO wird weiter unermüdlich für Petalcorins Fall arbeiten, denn nur durch die Aufklärung eines solchen Mordes kann sich die rechtliche und politische Situation für GewerkschaftsführerInnen ändern. In einem Gespräch einige Wochen nach dem Tod ihres Mannes, sagte uns Mrs Petalcorin: An eye for an eye will not stop – it will continue killing – I tell you, it will not stop. (…) I just want to say: “Stop the killing” Because of the killing there will be no leaders any more.”